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Informationen zum Schutz gegen Eichenprozessionsspinner

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Giftige Raupen am Niederrhein

Der Eichenprozessionsspinner sorgt für Aufregung. Er ist äußerst schwer zu bekämpfen. Und seine Raupen versprühen ein unangenehmes Nesselgift, das bei einigen Menschen Asthma auslöst.

 

 

Wesel: Kleiner Schmetterling mit großer Wirkunng

In Wesel vertreibt er die Bewohner eines Neubaugebietes aus den Gärten, bei Dorsten sorgt er für Straßensprerren, in Lankern und Wertherbruch werden Fußballspiele wegen ihm abgesagt, und zu den Hautärzten in Kleve kommen immer mehr Patienten mit "Raupendermatitis". Der Eichenprozessionsspinner hält derzeit den Niederrhein in Atem. Denn er sorgt nicht nur für Kahlfraß an Eichen und Hainbuchen, sondern kann auch beim Menschen diverse Erkrankungen hervorrufen.

 

Dabei ist der Prozessionsspinner im Verhältnis zu anderen Schmetterlingen als graubraune Motte eher unscheinbar. Seinen Namen verdankt er seinen Raupen, die nachts im meterlangen Gänsemarsch ihre Nester in den Baumkronen verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Sie schlüpfen mit dem Austreiben der Blätter, also im April und Mai. Danach häuten sie sich insgesamt sechs Mal, mit ständig wachsendem Appetit auf Blätter, der sich allerdings bisher nur selten zu einem botanischen Problem auswuchs, weil die Tiere nur einzelne Bäume befielen.
Doch mittlerweile gehen sie immer öfter auf größere Baumbestände. Der Grund: Ihre Anzahl hat hierzulande, vermutlich unter Einfluß des Klimawandels, stark zugenommen - und diese Horden brauchen natürlich mehr Nahrung. Forstwirte beobachten in Deutschland seit 1995 einen starken Zuwachs an Eichenprozessionsspinnern, in Baden-Württemberg kam es 2005 und auch dieses Jahr zu einem Massenbefall von Eichenbäumen.
Seit 2003 dringen sie von Holland und Belgien aus in den Niederrhein vor, wobei ihr Verbreitungsgebiet jährlich um 20 bis 30 Kilometer wächst - bis nach Krefeld sind sie bereits gekommen. Ab dem drittem Larvenstadium entwickeln die Raupen so genannte "Setae". Das sind spezielle Haare, die den Falternachwuchs vor Fressfeinden wie etwa Vögeln schützen sollen. Aus den Hohlräumen des Satae schießt schon bei leichten Berührungen ein Nesselgift. Es führt im menschlichen Organismus zur Freisetzung von entzündungsauslösenden Histaminen, je nach Veranlagung können dann juckende Hautquaddeln und Dermatitis, aber auch Bindehautentzündungen und Sehstörungen die Folge sein.

 

"Werden die Nesselhaare eingeatmet, kann es zu schmerzhaftem Husten und Asthma kommen", warnt Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen. "In Einzelfällen droht sogar ein allergischer Schock". Ein großes Problem der Raupenhaare besteht darin, dass sie sich von den Tieren lösen und dann, je nach Wind, über 200 Meter weit verteilen. Dadurch können auch Menschen erkranken, die sich gar nicht in der Nähe befallener Bäume aufhalten.

 

Eine repräsentative Befragung der Ärzte im Kreis Kleve erbrachte für das Jahr 2004 insgesamt 740 Patienten, die im Zusammenhang mit den Raupen eine Erkrankung - meistens eine Dermatitis - entwickelten. Die tatsächliche Quote ist vermutlich viel höher, weil ja nicht jeder mit den - glücklicherweise nur vorübergehenden - Beschwerden zum Arzt geht.

 

Ein großes Risiko haben laut Studienleiterin Dr. Martina Scherbaum neben Forstarbeitern auch Wanderer, Sportler, Reiter und Radfahrer. Wer in Kontakt mit den Raupenhaaren gekommen ist, sollte sich direkt umziehen, duschen und die Haare waschen. Ist bereits das Ekzem da, können kortisonhaltige Salben und antiallergische Medikamente helfen, bei Atembeschwerden verordnen Ärzte Präparate zur Erweiterung der Atemwege.

 

Die Raupen selbst werden bekämpft, indem man ihre Nester zunächst mit einem Bindemittel einsprüht und dann mit einem speziellen Staubsauger absammelt. Eine andere, aber für den Baum schädlichere Alternative ist das Abflämmen der befallenen Kronen. Insektizide bringen hingegen nichts, weil die Raupen ausgerechnet ab ihrem giftigen Stadium nahezu immun dagegen sind.


Rheinische Post, 23.06.07 von Jörg Zittlau